vjing tutorial

Kleine Einführung in das Vjing
1. Geschichte des Vjing
2. Hardware / Software
3. Material / Content Beschaffung
4. Clip -bearbeitung / -vorbereitung
5. Schnitt
6. Resolume
7. Anhang komplette Anleitung von Resolume

1. Geschichte des Vjing
Schon Aristoteles und Pythagoras vermuteten 500 v. Chr. einen Zusammenhang zwischen der Tonleiter und dem Spektrum der Regenbogenfarben. Dieser Gedanke faszinierte in der Renaissance (1400 1500) zahlreiche Künstler darunter Leonardo da Vinci, Athanasius Kircher (der Erfinder der Laterna Magica) und Giuseppe Archimboldo. Um 1700 entwickelte dann Pater Louis Bertrand Castel ein Cembalo auf welchem ein Kasten stand mit 60 gefärbten Gläsern die jeweils mit einer Taste verbunden waren. Eigentlich die erste „Hardware“ fürs Vjing. Anfang des 20 Jahrhunderts, mit aufkommen der elektrizität, wurden dann etliche weitere Maschinen/Instrumente erfunden. Um 1960 kamen dann die ersten VJ’s auf, die mit hilfe von Ölen und anderen Flüssigkeiten in einer Clubumgebung Shows machten. Heute noch bekannt in Form von Lavalampen und Ölscheiben. 1970 experimentierte dann Nam June Paik als erster in einem Künstlerischen Sinn mit der Videotechnik. Ende der 70er mit aufkommen der Videorekorder begannen dann erste Clubs in New York (Peppermint Lounge) Fernseher als Dekoration aufzustellen, welche von Vj’s bespielt wurden.
Richtig los ging es dann um die Jahrtausendwende als PC’s und Videotechnik auch im Hobbybereich bezahlbar wurden.

2. Hardware / Software
Beim Vjing gibt es nicht wie im Djing einen klaren Standard was die Ausstattung angeht – jeder VJ stellt sich sein Equipment, nach seinen persönlichen Neigungen, selbst zusammen. Das einzige wo sich so eine art Standard entwickelt hat, ist das Herzstück eines jeden Setups, das Videomischpult. Am liebsten wird hier das extra fürs Vjing entwickelte Edirol V4 benützt.
v4
Man unterscheidet zwischen „Hardware und Software Based“ Vjs:
Hardware Based heisst, dass kein Computer verwendet wird. Der VJ benützt nur Hardware sprich: Videokameras, Videorekorder, DVD-Player, Videomischpult etc.
hardware_based
Software Based heisst: der Vj benützt als zuspieler einen Computer. Da sich beim Vjing die örtlichkeiten oft ändern bietet es sich an, einen Laptop zu benützen. Dies ist die häufiger verwendete Form deswegen ich hierauf weiter eingehe.
software_based

Der Computer sollte über folgende mindest Ausstattung verfügen:
• 1024×768 Bildschirmauflösung
• 1 GHz Prozessor
• 512 Mb Ram
• Win XP
Eine typische Ausstattung eine Vjs sieht dann so aus:

live_single_setup

3. Material und Contentbeschaffung
So nun haben wir einen Einblick bekommen über das was man so braucht um in der Lage zu sein als VJ Bilder an eine Wand zu werfen, fehlen uns nur noch die Bilder. Wobei hier das nur leicht untertrieben ist, denn der wesentliche Teil der Arbeit eines Vjs betrifft die Contenterstellung.
Es gibt mehrere Möglichkeiten.
• Die beste ist, man erstellt seine Loops selber. Dazu später mehr.
• Eine andere ist das man sich seine Clips aus dem Internet besorgt. Hierzu gibt es diverse Quellen, wobei man allerdings das Copyright beachten sollte. Eine Quelle bei der man alles Legal runterladen kann ist: www.archive.org dies ist eine Seite unter der man seine Loops unter den sog. Creative Commons license veröffentlichen kann. Das bedeutet, dass man sie jedem zur Kostenfreien Verfügung stellt, solange der benutzende damit kein Geld verdient. Gute Loops für den Anfang sind die von Analogrecycling. Damit kann man doch schon sehr gut ein Gefühl bekommen wie man mit Loops arbeitet.
Weitere Links: www.vjcentral.de (das deutschsprachige VJ-Forum)
www.vjforums.com (das englischsprachige VJ-Forum)
www.fullscreenmusic.com/
www.open-video.org/
www.wetcircuit.com
http://resolume.com/footage/index.php (es gibt unendlich viele mehr…..google ist Dein bester Freund)
• Eine weitere allerdings unter VJ’s recht umstrittene Möglichkeit ist, aus Filmen Szenen rauszuschneiden. Das geht recht einfach mit VirtualDub und der DVD von der man eine Szene haben möchte. (VirtualDub wird später erklärt). Diese Möglichkeit ist ganz klar eine Copyrightverletzung, wird trotzdem angewendet, da es praktisch keine Verfolgung gibt.
Loops (Content) selber machen:
Hierzu benützt man am besten eine Digitale Videokamera. Besondere Kenntnisse braucht man nicht. Am besten nimmt man die Kamera in die Hand sucht sich eine schöne Stelle (Location) und filmt einfach drauf los. Besonders geeignet ist die Lomotechnik. Diese kommt aus der Fotografie und ihr Hauptmerkmal ist, dass man den Sucher nicht benützt. Das heisst man nimmt die Kamera in die Hand und filmt einfach irgendwie ohne sich genau zu überlegen welchen Bildausschnitt man gerade filmt. Am besten spielt man mit ungewöhnlichen Perspektiven.
Profis benützen auch Flash, After Effects und andere Animationssoftware um eigene Animationen zu erstellen.
Ideen: sich die Kamera an einen Fuß binden und damit durch die Stadt laufen oder Fahrradfahren. Die Kamera beim Inlineskaten einfach in der Hand halten. Die Kamera an einer belebten Treppe auf eine Treppenstufe stellen um nur die Vorbeilaufenden Füße zu filmen oder die Kamera auf eine tanzfläche stellen. Geht z.B. auch gut an einer Tür in der Straßenbahn. Wichtig sucht nach ungewöhnlichen Perspektiven entwickelt einen Blick für das ungewöhnliche nicht nach den Filmischen regeln gefilmtem. Benützt die Kamera möglichst unkonventionell. Eine gern Verwendete Technik ist auch, wenn die Kamera diese Einstellungen zulässt, den automatischen Fokus oder die Automatische Belichtung abzustellen. Damit erzielt man ungewöhnliche Effekte. Unscharfe Bilder oder Über- bzw. unterbelichtete Filmaufnahmen sind im Vjing eher ein Segen wie unbrauchbar. Achtet darauf das die Sequenzen die ihr filmt, nicht kürzer als 5 und nicht länger als 20 Sekunden sind. Optimal sind 10 Sekunden.
Nachdem wir nun Filmmaterial haben, geht es ans Übertragen auf den Rechner: das sogenannte Capturing. Capturing fürs Vjing immer im .avi Container.
Hierzu benützt man am besten die Software, welche der Kamera beigelegt ist. Dies ist häufig das Pinnacle Studio. Man kann auch den Windows Moviemaker benützen. Profis greifen auf Adobe Premiere zurück. Nachdem wir das Material nun in digitalisierter Form sprich als .avi auf unserem Rechner haben, geht es an den Schnitt und die Vorbereitung um das Material VJ tauglich zu machen.
4. Clip -bearbeitung / -vorbereitung
Zum Schnitt wird gerne Virtualdub verwendet. Dies ist eine open Source Schnittsoftware. Man kann sie sich kostenlos unter http://www.virtualdub.org/ runterladen. Die Software muss nicht installiert werden, sondern wird einfach nach dem entpacken in den Programmeordner kopiert. Nach einem doppelklick auf die virtualdub.exe Datei sehen wir folgendes Fenster.
virtual_dub_1

Okay sieht etwas kompliziert aus, aber wenn man es verstanden hat ist es eine wirklich gute Software.
Bevor man eine Datei öffnet muss man VirtualDub kurz einstellen. Dazu geht man als erstes auf Video > Filters > Add und wählt dann den deinterlace Filter.

virtual_dub_2

virtual_dub_3

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Anschliessend wird das deinterlace eingestellt.

virtual_dub_5

Eine kurze Erklärung was wir jetzt gemacht haben: es gibt in Europa das sogenannte PAL Format für Videos (auch Fernsehbilder werden so übertragen)
Dieses Format hat eine Auflösung von 720×576 Pixeln. Allerdings werden immer zwei Halbbilder gespeichert und anschliessend zu einem Vollbild zusammengefügt. Wenn wir mit digitalem Videomaterial arbeiten wollen wir aber keine Halbbilder haben sondern Vollbilder. Diesen Vorgang nennt man deinterlacen. Sprich wir haben Virtualdub gesagt mach uns aus jedem Video, welches wir gleich laden und anschließend abspeichern werden Vollbilder.

Nachdem wir diese Einstellung vorgenommen haben stellen wir noch die Auflösung ein. Die Auflösung ist abhängig von der Computerleistung. Auf der sicheren Seite befindet man sich mit 400×300 allerdings kann diese Auflösung recht pixelig sein. Besser ist 640×480. Optimal dann die PAL Auflösung von 720×576. Diese können allerdings nur Leistungsstärke aktuelle Rechner bzw. Laptops verarbeiten. Das geht wie folgt: wieder Video > Filters > Add > resize

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Und folgende Werte eintragen:

virtual_dub_7

Dies sind Erfahrungswerte und können individuell durch probieren angepasst werden.
Danach stellen wir noch den Ton ab um Speicherplatz zu sparen.

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So nun kommen wir zur Kompression (die Kompression dient auch zum Speicherplatz sparen)
Dazu gehen wir wieder auf: Video > Compression

virtual_dub_9

virtual_dub_10

Wählen anschliessend den Indeo video 5.10 Codec aus und machen ein Häkchen bei „Force Keyframes every“ und geben dann in das Fenster „1“ ein. Was hat es mit den Keyframes auf sich?
Keyframes sind Frames (Bilder) die Vollständig “gespeichert” vorliegen sprich wenn jeder Frame ein Keyframe ist müssen die nachfolgenden Frames bis zum nächsten Keyframe nicht berechnet werden. Was zu mehr benötigtem Speicherplatz führt aber weniger Rechnerleistung in Anspruch nimmt. Das müssen wir machen um dem Prozesser es zu ersparen, wenn wir später das Video Scratchen bzw. vorwärts und Rückwärtslaufen lassen jedes Bild zu berechnen.
So nun haben wir alle wichtigen Einstellungen gemacht. Am besten speichern wir diese Einstellung in VirtualDub ab um sie nicht jedesmal neu machen zu müssen. Dazu machen wir folgendes. Wir gehen auf File > Save processing settings. Wähle einen Namen den du wiederfindest!

5. Schnitt
So kommen wir zum Schnitt: als erstes öffnen wir in VirtuaDub ein Videofile, welches wir vorhin mit unserer Capturing Software auf unseren Rechner übertragen haben. Dazu einfach auf File > open video file gehen. Dann das entsprechende Video auswählen und mit der Schaltfläche Öffnen öffnen. Nachdem wir ein Video geöffnet haben können wir mit dem im Bild rot umrandeten Schieber uns eine Anfangsszene des Loops suchen.

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Anschliessend mit dem rot markiertem Button dieses Bild als Anfang markieren.

virtual_dub_12

Dann den Schieber (aus Bild vom ersten Schritt) bis zu dem Bild schieben welches das letzte sein soll und mit dem rot markiertem Button dieses Bild als letztes markieren.

virtual_dub_13

Diesen Loop (die blau markierte Sequenz) speichern wir indem wir auf File > Save as AVI gehen. Speicherort und Namen auswählen und mit dem Button Speichern ausführen.

6. Resolume
Resolume kann man sich als trial Version auf der Resolum webseite runter laden
(www.resolume.com)
Bevor wir loslegen können müssen wir leider auch hier noch ein Paar Einstellungen vornehmen. Um ein Videosignal aus einem Computer rauszuschicken müssen wir erstmal Windows sagen, dass es das tun soll. Dazu klicken wir mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle auf dem Desktop und wählen im aufgehenden Menü Eigenschaften

resolume_1

Anschliessend wählen wir den Reiter Eigenschaften, klicken dort auf den Bildschirm, welcher mit der „2“ gekennzeichnet ist und setzen ein Häckchen bei „Windows-Desktop auf diesen Monitor erweitern“. Die Bildschirmauflösung sollte wie unten abgebildet auf 800×600 eingestellt werden.

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Nun weiss Windows, das es ein Fernseher oder ein Beamer angeschlossen ist, dies müssen wir Resolume auch noch sagen. Dazu starten wir Resolume und klicken auf screen setup. Bei der process resolution geben wir die Auflösung ein in welcher wir unsere Loops in VirtualDub resized haben. In unserem Fall also 400×300. Die output resolution stellen wir auf die Auflösung, welche wir gerade bei der Windows Einstellung eingestellt haben, also 800×600. Bei dem abgebildeten Bildschirm mit der „1“ klicken wir auf Preview und bei dem abgebildeten Bildschirm mit der „2“ klicken wir auf Fullscreen.

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Resolume ist beides, sehr simpel und sehr komplex. Man kann innerhalb von zehn Minuten in der Lage sein, wirklich coole Sachen mit Videos zu machen, aber es kann Jahre dauern um Resolume richtig zu beherrschen und einen eigenen Stil zu entwickeln. Eins kann ich versprechen, man wird sich mit Resolume nie langweilen und nie an die Grenzen des machbaren stossen.
Schauen wir uns den Aufbau von Resolume etwas genauer an:

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Global Effect Layers: bis zu drei Effekte, welche man mit drag und drop aus dem Effect fenster laden kann.
Browser: im Browser kann man Files, Effekte, Decks, Sources (Quellen) und Audio durchsuchen bzw. einstellen.
Output Window: zeigt an was an den Beamer, das Mischpult bzw den Fernseher gesendet wird.
Clip: Hierher kann man aus dem Browser Videos (.avi,.mov) Flash (.swf) und Bilder (.jpg) ziehen.
Deck: das Deck bezeichnet 20 Videos welche man sich aus seinen Loopordner ausgesucht hat. Decks können gespeichert werden.
Wir suchen uns jetzt im Browser unter Files die Loops welche wir erstellt haben und ziehen sie einzeln per Drag und Drop in auf jeweils ein leeres Feld im Deck.
Danach sollte Resolume so aussehen:

resolume_5

Mit einem Klick auf einen Loop startet dieser sofort in der aktiven Layer (die aktive Layer ist die mit dem pinken Rahmen) und wird im output windows wiedergegeben.

resolume_6

In Resolume können drei Loops gleichzeitig wiedergegeben werden. Dazu hat man das Layer System – wer mit photoshop gearbeitet hat wird das schnell vestehen. Man kann sich das Layersystem vorstellen wie einen Tageslichtprojektor, auf den Folien gelegt werde. In unserem Fall kann man drei Folien übereinander legen. Mit dem Schieber, welcher im Moment auf 100 steht kann man die Transparenz einstellen (wobei 100 bedeutet das die Layer nicht durchsichtig ist sprich nicht durschienen wird) wenn ich jetzt einen Loop auf die darüber liegende Layer lege und den Schieber auf z.B. 50 runterziehe sehen wir beide Loops. Neben dem Schiber für die Transparenz sehen wir lauter kleine Knöpfe mit denen wir die Art wie die Transparenz gehandhabt wird einstellen können. Es ist z.B. möglich zusagen, das nur weisse stellen durchsichtig sein sollen. Hier seit ihr jetzt gefragt – spielt mit den verscheidenen Knöpfen rum.

Überhaupt empfielt es sich in Resolume einfach wild die knöpfe zu drücken, man sieht sofort was sich verändert – durch Erfahrung bekommt man dan schnell das ergebnis welches man haben will.
Links haben wir zwei feile mit diesen bestimmt man ob das Video vorwärts oder rückwärts abgespielt wird. Das ist auch schon die Grundlegende Funktion von Resolume.
Jetzt kommen wir noch zu den Effekten. Im Browser unter dem Reiter effects finden wir eine Menge Videoeffekte (man kann sich aus dem Internet unendlich viele weitere effekte runterladen dazu googelt man einfach nach freeframe).
Wir wählen den Effekt invert und ziehen ihn mit drag und drop auf den Loop ins Deck welchen wir gerade wiedergeben. Schon werden alle Farben des Loops Invertiert.

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Auch hier gilt es jetzt auf eigene Faust die Möglichkeiten kennen zu lernen.
Effekte können auch eingestellt werden, dazu klickt man einfach mit der rechten Maustaste auf den Loop auf welchem der Effekt liegt:

resolume_8

Soweit von mir viel spass mit Resolume!

Bei fragen steh ich gerne im VJ Forum für Antworten zur Verfügung

www.vjcentral.de



  1. Raphael

    vielen dank! fange erst gerade mit dem vj’ing und habe deshalb noch nicht so viel plan, aber dein tutorial hat mich schon einen grossen schritt weiter gebracht :)

  2. xaxl

    entlich mal was brauchbares für ein anfänger gefunden, danke :)

  3. hanfflower

    super….wie ne bedienungsanleitung..klar, deutlich, verständlich ;)

  4. Wie dsch Ey ? :-)

    Super … kann mich meinen Vorrednern nur anschließen !
    Danke für deine Mühe … gut verständlich und für den Anfänger umsetzbar …

    Gruß

  5. Kamikatze

    Kurz und knackig. Komplizierter wird’s ja sowieso von alleine ;) Danke!